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Apokalyptische Reiter
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Chasin´the Trane

Der Saxophonist John Coltrane zählt ohne Zweifel zu den einflussreichsten Musikern des vergangenen Jahrhunderts. Am 23. September 2001 wäre er 75 Jahre alt geworden. Eine kleine virtuelle Suche nach dem Musiker, der Gott fand und den Jazz befreite - und dafür bis heute als Heiliger verehrt wird.

Jeden Sonntag mittag trifft sich an der Ecke Gough und Turk Street, nicht allzu weit vom Rathaus in San Francisco, eine seltsame Gemeinde: “The Church of Saint John´s”. Diese außergewöhnliche Ausprägung der afrikanisch-orthodoxen Kirche hat sich keinen geringeren zum Patron erhoben als den Jazz-Saxophonisten John Coltrane. Und so wird hier ab 12 Uhr nicht nur zum Heiligen John (der sich schon durch seine Initialen JC für kirchliche Zwecke eignet) gebetet, sondern vor allem heftig improvisiert. Etwa von Reverend Franzo King, der wie sein Vorbild mit dem Saxophon Gebete gen Gott bläst.Oder von Wanika King, die mit ihrem Bass auch schon Coltranes Witwe Alice begleitete und gerade eine neue CD mit der Band Dream Foreward veröffentlicht hat. Außerdem gibt es da noch John Coltrane King, der die Improvisationen des Meisters seit der Wiege in sich aufgesogen hat und jetzt die Rhythmusarbeit in der Hausband übernommen hat. Die Webseite der 1971 geründeten Kirche lässt uns im Stich, was die Familienverhältnisse der Kings betrifft, aber vermutlich ist der Reverend der Vater.

Nicht ganz so heilig, dafür umso beeindruckender hingegen kommt mittlerweile die offizielle John Coltrane-Seite im Netz daher. Unter JohnColtrane.com empfängt den Besucher eine wunderbare Flash-Animation mit hinterlegter Musik vom Meister. Besonders gelungen ist, wie auf der Startseite das alte Schwarzweiß-Foto animiert wurde und jetzt den Eindruck erweckt, es handele sich um einen Film. (Überraschenderweise zeichnet eine österreichische Agentur für das Design der Seite verantwortlich.) An Information hält JohnColtrane.com ein paar bio- und diskographische Angaben sowie Infos zur neuen John Coltrane Foundation bereit. Die Stiftung fördert junge Jazzmusiker. Etwas unangenehm fällt auf, dass sich Alice Coltrane ziemlich in den Vordergrund spielt - gleich mehrmals posiert sie mit Familie im Bild. Seltsam stößt auch auf, dass die Witwe gefragt werden möchte, wenn der Name John Coltrane in den Medien erwähnt (!) wird. Im Original: “Also, clearence is required for the mention of John Coltrane name in any commercial media”. Da sind wir aber froh, dass das hier kein kommerzielles Medium ist.

Wie gut, dass sich die Fans des 1967 an Leberkrebs gestorbene Coltrane davon nicht einschüchtern lassen. Die meisten Fanseiten im Netz beziehen sich auf sein musikalisches Erbe, dass sich vermutlich nicht hoch genug einschätzen lässt. Es gibt wohl keinen Jazzmusiker, der nicht von der intensiven Improvisationskunst Coltranes beeindruckt und beeinflusst ist. Und Jazz-historisch muss man ihm anrechnen, dass er - im Zusammenspiel mit einem anderen Säulenheiligen des Jazz, Miles Davis - ein neues Kapitel des Jazz aufgeschlagen hat. Musiker bezeichnen das eher prosaisch als die Einführung der modalen Improvisation. Man könnte aber auch sagen, dass Coltrane den Jazz auf eine neue Stufe der Emotionalität gehoben hat.

Coltranes Revolution des Jazz

Seine wichtigsten Aufnahmen

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